IX - Von Hundert auf Null/Juli 2011

Ich müsste Nägel mit Köpfen machen. Ich muss Nägel mit Köpfen machen. Es nützt nichts, ich mache Nägel mit Köpfen. Ich habe keine andere Wahl!
Kein legaler Dealer mehr, kein ewiges zum Arztgerenne, immer mit der Angst, dass irgendwann einmal der Satz fällt: "Schluss - Aus - Vorbei es gibt nichts mehr! Das war´s. Tut mir leid, aber sie können es ja mal mit Johanniskraut versuchen!

Ich fasse es nicht. Das erste Mal in meinem Leben denke ich darüber nach, dass ich meine Glücksmacher, meine Teddybären, meine Seelentröster aus dem Weg räumen muss! Ich mache sie platt. Ich bin stärker als sie! Ich kann es schaffen!

Ich scheine nicht ganz bei Trost zu sein. Ich schmeiße diesen Mist jetzt knapp fünfunddreißig ein und auf einmal habe ich die mehr als geniale Idee, den Dreck aus meinem Leben zu eliminieren? Ich kann noch nicht einmal ein paar Stunden ohne diese Pillen auskommen und nun will ich da ganz von loskommen? Geht´s noch? Das ist dann wohl doch eine Nummer zu groß für mich.
Wie wäre es erst einmal damit, den Kram zu reduzieren? Genau, ganz einfach einfach die Dosis verringern, eben ... ganz einfach! Wäre doch ein Klacks!

Ich fange an, mir selbst etwas vorzumachen und muss ein wenig schmunzeln. Reduzieren, dass ich nicht lache. Ich reduziere freiwillig meine Dosis, obwohl die Dosis, die ich einnehme, weder vorne noch hinten ausreicht. Träum weiter, träume einfach weiter, aber hör auf, dir etwas vorzumachen.
Die Dosis herunterschrauben wird nicht klappen. Vielleicht einen Tag, ein Tag, an dem ich ausnahmsweise mal ein bisschen stabil bin. Ich kann mich mittlerweile zwar mehr nicht an einen derartigen Tag erinnern, aber, wenn ich mich vielleicht zusammenreiße, dann könnte es durchaus mal einen Tag geben. Genau, einen Tag, einen lächerlichen Tag, einen verdammten Tag im Jahr!
Wach endlich auf, wenn du es wirklich schaffen willst, dann nur mit professioneller Hilfe. Du schaffst es nicht allein!