XII - Von Hundert auf Null/ Juli 2011

Verdammt nochmal!
Warum finde ich im Internet so gut wie nichts zum Thema Medikamentenabhängigkeit? Und vor allem nichts zum Thema Entzug. Es kann doch nicht sein, dass ich die Erste bin, die sich mit dieser Materie beschäftigt. 

Ich klicke die verschiedensten Seiten an und endlich, nach mehreren Tagen kommt langsam Licht ins Dunkel. Eins steht fest, sollte ich mich zu einem Entzug tatsächlich durchringen, dann steht mir ein mehr als harter Kampf und steiniger Weg bevor. Ob ich den gewinnen werde, ich bezweifel es schon jetzt. Aber es wenigstens mal versuchen, einfach mal rein schnuppern, so eine Art Schnupperkurs für Abhängige, das wird ja wohl möglich sein.

Ich weiß nicht, welches Pferd mich da auf einmal reitet. Noch nie zuvor habe ich auch nur annähernd über einen Entzug nachgedacht, nicht einmal eine Sekunde. Bis vor ein paar Tagen war für mich klar, dass ich bis zum Sankt-Nimmerslein-Tag Tabletten futtern werde, wie andere Obst - mindestens 5 mal täglich eine Portion, mindestens, ein paar mehr Vitamine können ja schließlich auch nicht schaden.

Was habe ich zu verlieren? Okay, wenn ich mich zu einem Entzug entschließe, dann wird wahrscheinlich jeder von mir verlangen, dass ich es auch schaffe. Ich kann mir nicht vorstellen, dass jemand davon ausgeht, dass ich einen Schnupperkurs buche. 
Hereinspaziert, kommen sie, probieren sie es einfach einmal aus, wie beschissen sich ein Leben während des Entzugs anfühlt. Sind doch nur drei Tage! Danach gehen sie zu ihrem Hausarzt lassen sich ein neues Rezept ausschreiben und stopfen die doppelte Menge an Pillen in sich rein! 
Allerdings, wenn ich was will, dann will ich es auch! Halbe Sachen sind da nicht drin, was da heißt, ich buche nicht das Schnupperangebot, sondern den ganzen Kurs und der hat es in sich!

Doch wie soll ein Leben ohne Medikamente verlaufen, wenn ich doch auch mit den ganzen Tabletten von Panikattacken gepeinigt werde. 
Noch liege ich hier im Bett und habe es mit Ausnahme der viel zu mächtigen Angst doch eigentlich ganz gut. Naja, so gut nun auch nicht, aber ich habe nichts auszustehen.
Während der Woche kann ich meinen Rhythmus, der kein Rhythmus mehr ist, selbst gestalten, das heißt, ich liege von morgens bis abends im Bett. Zwischendurch mit dem Hund raus, einmal um den Pott laufen, mein sicheres Zuhause bloß nicht während des Spaziergangs aus den Augen verlieren. Sicheres Zuhause, das ich nicht lache, aber zumindest der Ort, an dem ich ohne viel Tamtam an einem Panikanfall sterben kann. Bloß kein Aufsehen, bloß das nicht!
Zum Wochenende kommt mein Mann nach Hause und alles muss ein wenig organisierter ablaufen. Allerdings schaffe ich es mittlerweile an den Wochenenden auch nicht mehr, mehr als vier Stunden wach zu bleiben und die noch nicht einmal am Stück. 
Wenn das nicht Grund genug dafür ist, gleich ein Abo abzuschließen. Am besten gleich das 5-Jahresabo mit der Spitzenermäßigung von der Krankenkasse!