XIII - Von Hundert auf Null/Juli 2011



Ich muss zur Drogenberatungsstelle. Ein klinischer Entzug funktioniert nur über eine Beratungsstelle. Da kann ich machen was ich will. So tief sitze ich also im Sumpf. 
Ich bitte dort um einen Termin und kann schon nächste Woche vorbeikommen. Was mich allerdings stört, ist, dass man mir bereits am Telefon mitgeteilt, dass nicht gerade häufig Klienten in die Beratungsstelle kämen, um sich wegen einer Medikamentenabhängigkeit in eine Entzugsklinik einweisen zu lassen.
Toll! Wie hört sich das denn an? Nicht gerade häufig!
Dann sagt doch gleich, dass ihr keine Ahnung habt und ich lieber erst in einem Monat vorbei kommen soll, damit man mir weitere Infos geben kann. Was für ein Gesabbel! 

Gut, ich habe jetzt also noch eine Woche Zeit, um zu recherchieren, welchen Weg ich genau einschlagen muss, damit ich einen Entzug erfolgreich abschließen kann. 
Bei dem Gedanken wird mir Angst und Bange. Nicht die Panik, die sich sonst in mir breit macht. Nein, die Angst zu versagen. Ich kann mir im Moment beim besten Willen nicht vorstellen, wie mein Leben ohne mein Glücksbärchen "Tavor" aussehen soll.
Vielleicht sollte ich auch alles wieder verwerfen und einfach weiterhin diesen Dreck in mich reinschmeißen. 
Gut, ich verschlafe mein Leben, aber alles besser, als diese widerliche, mich zermürbende Panik ertragen zu müssen.

Wenn ich doch nur den Mut hätte, mich umzubringen. Ich müsste nur nach Hamburg reinfahren, mir ein schönes Hochhaus aussuchen, eines, von dem es sich auch lohnt herunterzuspringen. Eines mit einer schönen Grünanlage, wo man gern lebt. Kein Wohnblock in einer sozialschwachen Gegend. Nein, ich will da sterben, wo es sich lohnt zu leben. Ich benötige den krassen Gegensatz! 
Leben und Tod! 

Aber wie schon erwähnt, bin ich keine Selbstmordkanditatin. Ich will leben! Meine Fresse, ich will leben! Hört das denn niemand? Warum hilft mir niemand? Warum nimmt mich niemand an die Hand und sagt mir, was ich zu tun habe, um aus diesem Schlamassel nach all der langen Zeit wieder herauszukommen?
Warum um Himmels Willen muss ich mich jetzt allein um das kümmern, was auf mich zukommen wird? Weil ich es nur für mich machen kann? Für niemand anderen sonst? Habe ich schon jetzt Neuland betreten? Allein mit dem Gedanken, einen Entzug in die Wege zu leiten? 
Vielleicht ist es das! Wenn ich wirklich etwas ändern will, dann muss ich es mir allein erkämpfen, mich selbst schlau machen, mich selbst drum kümmern.

Okay, ich bin bereit!