XXXVI - Von Hundert auf Null/05.September 2011


Tagebucheintrag vom 05. September 2011

Meine erste Nacht in der Entzugsklinik und ich kann nicht schlafen.
War ja auch eigentlich klar, dass ich nicht schlafen kann. Kann ich ja eh immer schlecht schlafen.
Was allerdings keineswegs klar war, dass ich hier nicht ausschleichend mein Tavor bekomme, sondern rein gar nichts mehr. Was für ein Dreck ist das denn?
Kommt man hierher und dann so eine Scheiße!

Ich könnte heulen, schreien oder am besten gleich weglaufen.

Mit meiner Zimmergenossin habe ich allerdings Glück gehabt. Ich würde nie denken, dass sie Alkoholikerin ist - niemals.
Ich möchte auch gern ein Alki sein. Die bekommen hier wenigstens etwas gegen die Symptome des Enzuges und dann sind sie nach 3-4 Tagen mit dem ganzen Mist durch und bei mir fängt es dann erst richtig an.

Ich bin jetzt schon wie durchgeknallt im Kopf. Kann keinen klaren Gedanken fassen, alles um mich herum ist laut und unruhig. Sobald drei Leute auf einem Haufen stehen, ist es für mich nicht auszuhalten.

Jetzt z. B. rast mein Herz auch wieder wie verrückt. Ich hasse dieses Herzgerase.
Meine Herren, warum ich, warum muss ich diese beschissene Scheiße durchmachen. Es ist alles so ungerecht.

Und mir soll niemand erzählen, dass ich selbst Schuld daran bin, denn immerhin wurden mir die Medikamente verschrieben, ohne dass jemals ein Arzt dem nur andeutungsweise widersprochen hätte.

Lieber würde ich mir eine Niere entnehmen oder meinetwegen auch einen Arm abnehmen lassen, aber nicht dieser dämliche Entzug, der mir ja eigentlich noch bevorsteht, sich aber jetzt schon total mistig anfühlt.

Lieber Gott, wenn es dich wirklich geben sollte, dann schicke mir bitte so viel Kraft, dass ich die ganze Scheiße hier meistere. Noch mache ich mir ja gar keine Gedanken darüber, wie ich mit einem Leben ohne Tabletten klarkommen kann. Werde ja nicht auf einmal keine Panikattacken mehr haben. Bestimmt werden sie stärker als je zuvor sein, da ich sie ja künstlich unterdrückt habe und sie sich bestimmt bei mir rächen wollen - diese dämlichen Drecksattacken.

Hätte ich nicht so viel Angst vor dem Tod, dann würde ich mich von einem Hochhaus stürzen. Runter und dann war es das. Diesem elendigen Leben ein setzen. Aus - Vorbei - Finito!

Tschüß, du beschissenes Leben! Willkommen Tod!