Rezension: "Von Männern und Menschen" von Olli Jalonen




Die 70er Jahre, eine Zeit, in der sich die Jugend emanzipiert. Regeln sind da, um gebrochen zu werden. Die autoritäre Erziehung der Eltern wird in Frage gestellt und ein jeder versucht, zu provozieren. Sei es, dass Jungs auf einmal lange Haare oder Mädchen viel zu kurze Röcke tragen. Hauptsache die Gesellschaft nimmt war, dass ein Wandel im Bewusstsein der Jugend stattfindet.

Doch, dass dieses Verhalten nicht für alle Jugendlichen gilt, wird am Bespiel des in Finnland lebenden O. deutlich. 
O. wächst bei seinen Eltern in einem kleinen finnischen Dorf auf. Seine Eltern versuchen ihm ein möglichst angenehmes Leben zu ermöglichen. Als gelehriger Schüler bringt er stets die besten Noten mit nach Hause und so ist es nicht verwunderlich, dass er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt in den USA erhält.
Da sein Vater jedoch aufgrund einer plötzlichen, schweren Erkrankung von heute auf morgen nicht mehr dazu in der Lage ist, seiner Arbeit auf dem Bau nachzugehen, übernimmt O. diese Aufgabe, um die Schulden der Familie abzuarbeiten. Von Jetzt auf Gleich ist die ungetrübte Kindheit O´s beendet und aus dem Jugendlichen wird ein Mann.

Die Arbeit auf dem Bau ist für den siebzehnjährigen Jungen ungewohnt hart und auch an den rauen Umgangston muss O. sich erst einmal gewöhnen. Umso bemerkenswerter, dass O. sich trotz aller Widrigkeiten, zu einem jungen Mann mit außerordentlicher Charakterstärke entwickelt.

So zollt er dem weiblichen Geschlecht eine gehörige Portion Respekt, beteiligt sich nicht an Intrigen und anderen Machenschaften und steht für die ein, die benachteiligt sind und es eh schon schwer genug im Leben haben.
Für sein Alter erstaunlich reif, diszipliniert und fleißig, erträgt O. all die Widrigkeiten, denen ein Siebzehnjähriger normalerweise nicht ausgesetzt ist und vielleicht sogar an ihnen scheitern würde.
Auch sammelt er erste Erfahrungen mit Frauen. Er verliebt sich und begeht ausgerechnet bei der Frau, die als einzige sein Herz gewinnen kann, einen schweren Fehler. 

Olli Jalonen ist es mit diesem Roman gelungen, die Geschichte eines Jungen aufzuzeigen, dessen Jugend von einem auf den anderen Tag jäh endet und der es mit erstaunlicher Charakterstärke schafft, von jetzt auf gleich Mann zu sein. Beeindruckend, wie der Autor sich in die Rolle O´s. hineinversetzt und mit sanfter, leichter Sprache dem Roman eine Basis verleiht, die dem Leser eine vertrauliche Nähe zum Protagonisten O. bereitet.


Meine Bewertung: 5***** von 5***** Sternchen 
Von Männern und Menschen
von Olli Jalonen
erschienen im Mare Verlag
544 Seiten
ISBN:
978-3-866-48241-8
 Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen
Preis: 24,00 €