XLV - Von Hundert auf Null/06.September 2011


Im Grunde reicht mir der heutige Tag schon.

Ziemlich genervt und zittrig gehe ich in die Raucherecke. 
Kaum angekommen, trifft mich der zweite Schlag, denn zwei türkischstämmige Typen kloppen sich und dreschen dermaßen aufeinander ein, dass es sich nur noch um Sekunde handeln kann, bis einer der beiden tot umfällt.

Mit einem Cut unterhalb des Auges, aus dem das Blut nur so herausschießt, sieht der eine Türke dermaßen lädiert aus, dass ich davon ausgehe, dass sein Blutverlust mittlerweile so groß ist, dass es mehrerer Blutkonserven bedarf, um den unterlegenen Schläger wieder aufzupeppeln. Dass ich zu Übertreibungen neige, verdanke ich wohl meinem momentanen Zustand.

Nichtsdestotrotz hat wohl auch die Klinikleitung von dem Kampf der beiden Alkis Wind bekommen und hat in der Zwischenzeit die Polizei alarmiert. 
Zumindest erscheinen drei Polizeibeamte, die ziemlich schnell die Ringerveranstaltung dank Knüppel beendet, urplötzlich im Raucherbereich.
Unter lautem Gegröhle werden die Polizisten beim Abtransport der zwei Streithähne, als Bullenschweine und dergleichen beschimpft, was ich wiederum ganz lustig finde, denn in der Regel bin ich keine Freundin der Ordnungshüter.

Ich kenne diese Berufssparte nur als Geldeintreiber von Temposündern, Falschparkern und dergleichen und damit machen sie sich weiß Gott nicht beliebt. Am helllichten Tag an Strecken zu stehen, die aus keinem erkennbaren Grund mit fünfzig Stundenkilometern deklariert sind und sich diebisch darüber zu freuen, wenn jemand mit fünfundsechzig Stundenkilometern in die Falle eiert, ist meines Erachtens keine große Kunst. 
Und auch hier hat nicht etwa ein diplomatisch geführtes Gespräch zum Ende des Kampfes der Streithammel geführt, nein, die Gummiknüppel haben es gerichtet. Früher hieß es ... drei gegen zwei ist fiese ... noch dazu mit Knüppeln ist es besonders fies.

Jedoch habe ich dem türkischen Ringkampf zu verdanken, dass die Meute der Alkoholiker sich nicht auf mich stürzt, um mich zu befragen, wie meine Pinkelei ausgegangen ist.
Doch weit gefehlt. Kaum sind die blutverschmierten Übeltäter aus der Klinik abgeführt worden, will der Erste von mir wissen, ob ich auch schön den Becher vollgepisst habe.

Pissen, kacken, ficken. Hier gehört nur das zur Tagesordnung, was andere vielleicht gerade mal denken und wahrscheinlich noch nicht einmal das. Zimperlich darf man hier nicht sein. Und wer es dennoch ist, der hat schon verloren.
Ein kurzes Statement meinerseits, dass ich den Becher derart vollgepisst habe, dass ich die Toilette zum Überlaufen gebracht habe, reicht, um dem Penner den Wind aus den Segeln zu nehmen.