XXXVIII - Von Hundert auf Null/06.September 2011


Noch überlege ich, ob ich wirklich duschen soll. Nicht, weil auch hier der Boden sandig ist, immerhin habe ich die guten Adiletten an und mit denen stehe ich ja nun einmal nicht direkt im Dreck, sondern einzig und allein, weil ich Angst habe, unter der Dusche zu sterben. 
Angezogen unter der Dusche sterben zu müssen, wäre nicht  so schlimm, aber nackend. Da man sich in unseren Breitengraden zum Duschen aber nun einmal auszieht, stelle ich mir jetzt vor, was für ein Anblick es sein muss, mich tot und nackend am Boden der sandigen Duschwanne zu sehen. Wäre ich Kate Moss oder irgendein anderes Supermodel, wären Ärzte und Pfleger bestimmt entzückt, aber von einem Supermodel bin ich dann doch weit entfernt. 
Allerdings befindet sich in der Dusche eine Klingel, die man betätigen kann, falls es einem nicht gut gehen sollte. Ich könnte also, kurz bevor ich sterbe, all meine Kraft zusammennehmen, mich fix anziehen und dann den Klingelknopf drücken, damit ich entdeckt werde, bevor die Totenstarre voll ausgeprägt ist. 

Ich entscheide mich zu Gunsten der Notklingel und begebe mich unter die Dusche.
Das Wasser, was mir jetzt wohltemperiert über den Körper läuft, tut gut. Die Temperatur des Wassers ist auch eine Sache für sich. Bloß nicht zu heiß duschen! Irgendwo habe ich mal gelesen, dass zu heißes Duschen, wie auch Baden, einen Kreislaufkollaps zur Folge haben kann. Kaum hatte ich dies seiner Zeit gelesen, waren meine Duschvorgänge fortan nichts für Warmduscher. Nicht, dass ich vor Kälte unter der Dusche bibber, aber eine leichte Erkältung könnte man sich tatsächlich zuziehen, wenn man die Temperatur nicht gewohnt ist. 

Den Waschvorgang beschleunige ich nun. Eine Spülung kommt nach dem Haarewaschen nicht ins Haar. Ich muss Zeit gewinnen und dem Tod von der Schippe springen. Der Rest des Körpers ist schnell gewaschen. Dank Duschschaum aus der Dose erübrigt sich das Aufschäumen des Duschgels. Ich hetze von einem Körperteil zum anderen und spüre dabei meinen viel zu schnellen Herzschlag. Ich muss mich beeilen, damit ich wenigstens angezogen auf den Boden der Dusche knalle, mir zusätzlich zum Herzinfakt noch mein Genick breche und endgültig mausetot bin.

Was ein Stress! 
Während ich über meinen nahenden Tod nachdenke, sagt eine Stimme in mir, dass ich mehr als nur bekloppt bin. Vielen Dank! Warum sollte ich gerade heute an diesem dämlichen Herzrasen sterben, wo ich doch zuvor schon tausend Male nicht daran gestorben bin. Kann ich mich nicht einmal zusammenreißen und das Gerase mal nüchtern betrachten. Muss ich aus jedem Herzklopfen gleich wieder einen Herzinfakt machen. Eigentlich finde ich mich selbst total bekloppt, aber da mein Herzrasen natürlich kein normales Herzrasen ist, wie es viele Menschen immer mal wieder haben, ist meine Angst zu sterben völlig berechtigt.