Rezension: "Kokainmeere - Die Wege des weltweiten Drogenhandels" von Ana Lilia Pérez


Dass die Deutschen zu den Topkonsumenten von Kokain gehören, war mir bekannt. Dass nur fünfzig Kilometer von meinem Wohnort entfernt, der Hauptumschlagplatz für die Verteilung des euphorisierenden Gifts für den nord- und osteuropäischen Markt liegt, habe ich zwar gewusst, jedoch sind mir die genauen Routen, die das Pulver versteckt zwischen Bananenkisten, in Kühlschränken, zwischen Gewürzen oder zwischen Schuhen aus Billiglohnländern hinter sich hat, fremd.

Da es durchaus ein tödliches Unterfangen sein kann, diese Wege der breiten Masse aufzuzeigen und zwar derart akribisch recherchiert, dass der Leser meint, er befinde sich direkt vom Anbau des Cocastrauches bis hin zum Verbraucher mit dabei, darüber ist sich die Autorin Ana Lilia Pérez sicherlich zu jeder Zeit im klaren. Umso erstaunlicher, dass die Autorin couragiert den Kampf gegen die Drogenmafia aufnimmt und der Welt darlegt, welches Kapital die Weltmeere Stunde um Stunde durchquert.
Was macht den Handel mit Kokain so begehrenswert? Ganz einfach, Kokain ist die Droge, die bis heute nichts von ihrem Boom einbüßen musste. Ganz im Gegenteil, die Gier nach Koks wird immer größer und der Gewinn, der beim Handel mit dieser Droge zu erzielen ist, sucht seines Gleichen. Drogenkartelle setzen im Zuge der Globalisierung fast nur noch auf den Transport über die Weltmeere, sei es in den Frachträumen der Containerriesen oder aber an Bord von privaten Luxusyachten. Und gerade der Transport über die Weltmeere macht es der Polizei und den Staaten mehr als schwer, den Handel zu kontrollieren.

Die Autorin Ana Lilia Pérez nimmt den Leser mit auf die Reise von den vornehmlichen Anbauländern Kolumbien, Peru, Bolivien sowie Brasilien bis in die Länder, die den größten Teil des Absatzmarktes bilden, nämlich Europa, Nordamerika und mittlerweile auch Australien.
Und auch Einblicke in die wichtigsten Drogenkartelle sowie der Mafia mit ihrer organisierten Kriminalität gewährt die Autorin ihrem Leser. Mexikanische und kolumbianische Kartelle, aber auch die sizilianische Mafia "Cosa Nostra", die kalabrische Mafia "Ndrangetha, die neapolitanische Mafia "Camorra sowie aus den Bereichen der Verbrecherorganisationen die "amerikanische Cosa Nostra" und die "russische Mafia" spielen die größte Rolle, wenn es um den Handel mit dem gewinnbringenden Stoff geht.

Viele Leser werden sich an dieser Stelle fragen, wieso es nicht gelingt, diese Kartelle zu zerschlagen. Aber auch darauf hat die Autorin dank ihrer mutigen und waghalsigen Recherche eine Antwort. Eine Mixtur, die es in sich hat, ist dafür verantwortlich. Eine Mixtur, die aus Geld, Gewalt, Bestechung, Skrupellosigkeit und Brutalität besteht und die Zusammenarbeit mit Terroristen, Piraten, Guerillas, Staatsmännern und den Wichtigen und Großen dieser Welt.

Wer schon immer wissen wollte, wieso der Drogenhandel über Jahrzehnte aufrecht erhalten werden konnte und warum der Drogenhandel weiter floriert, wer sich für die Machenschaften von Kartellen und der Mafia interessiert, der muss dieses Buch einfach lesen. An ihm geht meines Erachtens kein Weg dran vorbei. Spannender, aber auch erschütternder kann ein Einblick in den internationalen Kokainhandel nicht ausfallen. Der Leser wird dank des unsagbar großen Mutes der Autorin mit allem konfrontiert, was aus der Nähe betrachtet tödlich enden kann.

Meine Hochachtung für dieses gewaltige, grandiose Buch!


Meine Bewertung: 5***** von 5***** Sternchen
  
Kokainmeere
von Ana Lilia Pérez
erschienen bei Pantheon
  320 Seiten 
ISBN: 978-3-570-55338-1
Paperback, Klappenbroschur 
Preis: 14,99 €


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