Rezension: "Shore, Stein, Papier" von $ick



Die aufregendsten Geschichten schreibt das Leben. Teilweise so aufregend, packend und aufwühlend, dass man als Leser nicht glauben mag, dass derartige Geschichten wirklich erlebt und gelebt worden sind, sondern vielmehr aus der Feder eines Autors stammen, dessen Phantasie mehr als nur blühend ist.

Der Roman "Shore, Stein, Papier" ist die authentische Geschichte des ehemals herionabhängigen $ick, der mit 13 Jahren das Kiffen begann, mit 15 Jahren das erste Mal Shore rauchte und im Alter von 18 Jahren das erste Mal im Knast einsaß. Eine Geschichte, die nur das Leben schreiben kann.

$ick beschreibt in seiner Geschichte, wie er, ungeliebt vom Lebensgefährten seiner Mutter, in die Drogenszene abrutscht. Nicht anklagend. Nein, er weiß, dass jeder für sein eigenes Leben verantwortlich ist, aber er macht auch deutlich, dass es nur einiger weniger Auslöser bedarf, um sich dem hinzugeben, was Erleichterung verspricht. Einfach abtauchen in eine Welt, die fern ab von der Realität ist, wenngleich die Realität einen so furchtbar schnell wieder einholt. 
Einfach die Seele baumeln lassen. Was macht es schon, wenn man kifft? Andere trinken, um runter zu kommen, warum also nicht kiffen. Kiffen im Alter von 13 Jahren sollte da aber doch eine Ausnahme darstellen, obwohl es ein leichtes ist, an Gras, Dope oder was auch immer zu kommen. Dass falsche Freunde schon immer für den Abstieg in die Drogenszene verantwortlich sind und waren, haben wir schon von unseren Eltern zu hören bekommen.

Was aber, wenn man nur gemeinsam mit seinen Freunden auf Entdeckungsjagd geht. Auf der Suche nach dem Kick, ein Wandeln zwischen Rausch und Ekstase. Spätenstens dann, wenn Rausch und Ekstase zur Sucht werden, gesellt sich leider auch die Beschaffungskriminalität hinzu und mit ihr unvermeidlich Aufenthalte im Knast.
$ick lässt in seiner Erzählung den Leser an all dem teilhaben, was wir unter normalen Umständen nicht zu glauben wagen. Ein Leben auf der Überholspur. Ein Leben, das immer von den gleichen Dingen überholt wird, nämlich von Drogen, Raub und Knast ... eine nicht enden wollende Todesspirale. An ein leichtes unbeschwertes Leben ist in keiner Minute mehr zu denken. Ist es anfangs noch leicht, Drogen zu beschaffen, müssen immer härtere Geschütze aufgefahren werden. Da reicht es nicht mehr, nur den Stoff zu beschaffen, der ein Überleben bis zum nächsten Morgen ermöglicht. Es reicht nicht, sich einen Schuss zu verpassen, um einigermaßen über die Runden zu kommen, nein, die nächsten Kicks sind bereits fest eingeplant.

Unberechenbar, wie ferngesteuert, setzt sich eine Lawine in Gang, die Erpressung, Gewalt und Raub mit sich ziehen. Und wer glaubt, dass Haftaufenthalte einen Junkie zur Abstinenz seiner Drogen zwingen, der täuscht sich gewaltig. Es bedarf nur der richtigen Beziehungen im Knast und der Verzicht auf die Droge ist tabu. Zwar bringen Knastaufenthalte eine vorübergehende Besserung der körperlichen Konstitution, aber schon wenige Stunden nach Verbüßung der Haftstrafe oder aber nach der Flucht aus der Justizvollzugsanstalt wird der eigene Körper wieder zu Grunde gerichtet.

Doch $ick hat es geschafft. Raus aus dem Dreck, dem Drogensumpf. Raus aus einer Welt, in der Beschaffungskriminaliät und Haftaufenthalte wie das Brot zum Leben gehören.
Mit diesem Buch nimmt uns ein Ex-Junkie mit in eine Welt, die beängstigender nicht sein kann, wenngleich ich zugegeben muss, dass sie auch Faszination auf mich ausübt. Fasziniert von einer anderen Welt, in der Grenzen überschritten werden, als wäre es ein Leichtes. Nicht falsch verstehen, ich befürworte die Grenzüberschreitungen nicht, aber es ist dieses Andersein, was mich fasziniert.

Hut ab, vor der Leistung, ein Leben geprägt von Drogen, Gewalt und Kriminalität noch einmal auf Null zurückzustellen und in lebenswerte Bahnen zu lenken!



 Meine Bewertung: 5***** von 5***** Sternchen
  
Shore, Stein, Papier
von $ick
erschienen bei Piper
  432 Seiten 
ISBN: 978-3-492-06040-0
Paperback
Preis: 14,99 € 

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