Rezension:" Geschmack - Warum wir mögen, was wir mögen" von Tom Vanderbilt


Warum rezensiere ich lieber Sachbücher, als Liebesromane, die womöglich noch in England spielen? Warum empfinde ich das Leben in der Landeshauptstadt Stuttgart lebenswerter, als das Leben in der Hansestadt Hamburg und warum würde ich nie eine pinkfarbene Jacke tragen, dagegen eine braune oder blaue Jacke umso lieber. Ist es einfach nur eine Frage des Geschmacks? Mit Sicherheit, aber wie bildet sich dieser Geschmack aus? Was passiert in dem Moment, in dem wir unser Urteil fällen, was uns gefällt und was nicht?

Dieser Frage ist der Erfolgsautor und Journalist Tom Vanderbilt nachgegangen. Viele Antworten, die er erhalten hat, fasst er in diesem Buch zusammen und das auf so eine interessante und fast humorvolle Art und Weise, dass es von Anfang Spaß macht, sich mit Vanderbilt gemeinsam auf den Weg zu machen, um zu erfahren, was über unseren Geschmack entscheidet.

Tom Vanderbilt nimmt als Erstes auf der Suche nach der Geschmacksbildung unseren eigentlichen Geschmackssinn unter die Lupe. Die Geschmacksrichtungen süß, sauer, salzig, bitter und herzhaft-würzig sind zwar zur Bildung des Geschmacks wichtige Faktoren, aber auch das Auge isst mit und so entscheiden wir uns auch für die Lebensmittel, die auf uns einen besonders appetitlichen Eindruck machen. Erst durch die Gesamtheit der Sinneswahrnehmungsvorgänge entscheiden wir uns für bestimmte Lebensmittel.

Wichtig für die Entwicklung unseres Geschmacks, so stellt Vanderbilt fest, ist vor allem der Mere-Exposure-Effekt. Erst allein die wiederholte Wahrnehmung einer anfangs neutral beurteilten Sache hat eine positivere Bewertung auf Dauer zur Folge, egal, ob es sich dabei um Lebensmittel, Musik oder aber auch bestimmte Reize handelt.
So stecken Internet-Anbieter wie eBay, amazon, Netflix und maxdome beispielsweise Millionen in die Marktforschung, um herauszubekommen, welches Muster hinter unserem Konsum steckt. Wer früh genug darauf reagieren kann, was wir konsumieren werden, der kann mit unserem Geschmack Milliarden scheffeln.

Ebay unterhält eine Art Empfehlungsplattform, die Geschmacksdiagramme erstellt. Diese wertet auf Grund vorhandener Daten persönliche Vorlieben aller Art aus. Ob es nun um Restaurants, Reisen, Kleidung, Hotels oder Weihnachtsbäume geht, es gibt nichts, was nicht unter die Lupe genommen wird. 
Auch Vanderbilt ließ sich ein Geschmacksdiagramm erstellen. So wurden alle Personen, die ihm auf Twitter folgen sowie die Personen, denen er auf Twitter folgt, für dieses Diagramm erfasst. 
Das Erstaunliche, 90 Prozent aller Entscheidungsfragen, wie zum Beispiel "Schaust du dir Dokumentarfilme an?" oder "Hörst du Jazz oder Klassik?" konnte das System Vanderbilts Meinung voraussagen. Die Antworten seiner Follower spiegelten den Geschmack Vanderbilts damit deutlich wider. Umgeben wir uns also unterbewusst mit Menschen, die einen ähnlichen Geschmack wie wir haben?

Was ist das also für ein Mixtur, die unseren persönlichen Geschmack ausmacht? Tom Vanderbilt gibt uns in vielen Bereichen einen Einblick in die Materie, angefangen bei der Geschichte der Geschmacksbildung bis hin zu Erkenntnissen und deren Anwendungen in der Forschung. Ein Buch, dass aufzeigt, wie Geschmack entsteht und wie er sich entwickelt. Ein Buch, das ganz nach meinem Geschmack ist, wenngleich ich noch nicht so ganz genau weiß warum, aber das werde ich nach nochmaligem Lesen bestimmt herausbekommen. 


Meine Bewertung: 5***** Sternchen von 5***** Sternchen

  Geschmack - Warum wir mögen, was wir mögen 
von Tom Vanderbilt
 erschienen bei Hanser 
368 Seiten
 ISBN: 978-3-446-44879-7 
Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag 
Preis: 24,00 € 



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